Franz Markus Haniel: Wo das Manager Magazin irrt

Olaf Koch

So unterschiedlich kann man die Dinge sehen: Als Franz Markus Haniel (63) vor knapp drei Jahren aus freien Stücken den Metro-Aufsichtsratsvorsitz abgab, zollten wir ihm Respekt. Denn mit dem früheren Barry-Callebaut-Chef Jürgen Steinemann (59) rückte kein Vertreter des Großaktionärs Haniel, sondern ein externer Kandidat nach – aus unserer Sicht ein starkes Signal für die Unabhängigkeit des Metro-Aufsichtsrats und gute Corporate Governance. Das Manager Magazin bewertet die damalige Entscheidung von Franz Markus Haniel in der aktuellen Ausgabe jedoch als „unverständlich“.

Würde Gemkow den Metro-Chef gerne loswerden?

Die Begründung: Seit der Selbstentmachtung habe Großaktionär Haniel keinen direkten Einfluss mehr auf die Besetzung des Vorstands – zumal der familienfremde Haniel-Chef Stephan Gemkow (58) „nicht einmal als einfaches Mitglied“ im Metro-Aufsichtsrat sitze. Und ebenjener Gemkow halte „nicht viel“ von Vorstandschef Olaf Koch, schreibt das Manager Magazin – und legt damit nahe, dass er den CEO gerne absetzen würde. Wir können das nicht beurteilen, erinnern aber daran: Die Interessen des Unternehmens und des Aktionärs Haniel müssen keineswegs deckungsgleich sein. Zum Wohle der Metro ist uns deshalb lieber, dass ein unabhängiger Aufsichtsrat über Kochs Zukunft entscheidet. Das Manager Magazin scheint die Metro dagegen noch als Sparte des Haniel-Konzerns zu betrachten.

(Anmerkung: Nach Veröffentlichung des Manager-Magazin-Beitrags wurde am Ende vergangener Woche bekannt, dass Haniel Metro-Aktien verkauft und seinen Anteil auf 15,2 Prozent reduziert.)