Blackrock & Vanguard: Raus aus den Hinterzimmern!

Blackrock

Nachdem sie jahrelang als anlegerfreundliche Alternative zu teuren aktiven Fonds gepriesen wurden, sind Indexfonds und deren Anbieter zuletzt stärker in die Kritik geraten. Von Systemrisiken ist die Rede, aber auch von mangelnder Wahrnehmung von Aktionärsrechten („Engagement“). Da müssen wir einhaken, denn immerhin haben die großen Anbieter ihr „Engagement“ in den vergangenen Monaten ausgebaut. Man habe inzwischen 30 Mitarbeiter, „die jedes Jahr an die 1000 Firmen besuchen“, sagte Vanguard-Chef Tim Buckley vor wenigen Tagen in einem Interview. Auch Blackrock wolle sich stärker engagieren, wie Deutschland-Chairman Friedrich Merz fast zeitgleich bekräftige.

Warum der öffentliche Diskurs so wichtig ist

Lippenbekenntnisse? Wir glauben: nein. Schließlich können Indexfonds Aktien nicht rauswerfen – das Drängen auf gute Unternehmensführung ist deshalb ihr wichtigster Rendite-Hebel. Und da sie naturgemäß langfristig beteiligt sind, stehen die Chancen gut, dass sie auch langfristig denken. Sie könnten also optimale Aktionäre sein – wenn, ja wenn sie nicht nur hinter verschlossenen Türen mit Vorständen reden, sondern auch den öffentlichen Diskurs über konkrete Governance-Probleme vorantreiben würden (wie es zum Beispiel Ingo Speich von Union Investment macht). Denn wir sind überzeugt: Optimale Lösungen für das jeweilige Unternehmen lassen sich nur im konstruktiven Diskurs der Stakeholder finden. Wer ihn meidet, schürt den Verdacht, dass er alles besser zu wissen glaubt oder brachial eigene Interessen durchsetzen will. Das ist Wasser auf den Mühlen von Verschwörungstheoretikern, die Mauscheleien der Wirtschafts- und Finanz-„Eliten“ wittern.