Familienunternehmen Berner: Junger Nachfolger auf Crash-Kurs?

Christian Berner

Man stelle sich vor: Ein gerade mal 31-jähriger Nachfolger verlegt die Zentrale eines baden-württembergischen Traditionsunternehmens  nach Köln. Er streicht den Vertrieblern einen Großteil ihrer Provisionen, macht zehn Tochterfirmen dicht und lässt auch sonst kaum einen Stein auf dem anderen. Ein beratungsresistenter Egomane, der das Lebenswerk seines Vaters gegen die Wand fährt? Nein, die Entscheidungen von Christian Berner, Vorstandschef des Schrauben- und Chemiehändlers Berner SE (1 Mrd. Umsatz, 8500 Mitarbeiter), haben sich bislang als goldrichtig erwiesen. Denn in Köln fand er qualifizierte Fachkräfte, die nicht nach Künzelsau gekommen wären.

Digitalisierung: „Wir haben, was Amazon nie haben wird“

Und die Kürzung der Provisionen – kompensiert durch höhere Fixgehälter – hat aus Verkäufern Berater gemacht. Das habe die Fluktuation beim Würth-Konkurrenten um 40 Prozent gesenkt, sagte Berner nun dem Handelsblatt. Zudem goutierten die Kunden den neuen beratungsorientierten Ansatz, meint er. Berner habe damit, was Amazon nie haben wird – „eine echte Kundenbeziehung“. Dass der inzwischen 34-jährige Sohn des Gründers Albert Berner keinen Harakiri-Kurs fährt, hätte man übrigens ahnen können. Denn er wird überwacht von einem fünfköpfigen Aufsichtsrat, in dem auch erfahrene und unabhängige Experten sitzen: Chef des Gremiums ist der langjährige Hella-Vorstand Carsten Albrecht.