Personal Governance: DWS definiert den unabhängigen Aufsichtsrat

Personal Governance

Der Aufsichtsrat, heißt es in den Berufsgrundsätzen der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) unter dem Stichwort „Unabhängigkeit“, soll sein Mandat „selbstbestimmt und frei von Einflüssen Dritter“ ausüben. Aber wann genau sind Aufsichtsräte „unabhängig“? Das haben nun Corporate-Governance-Experte Hendrik Schmidt (DWS) und Julia Redenius-Hövermann (Frankfurt School of Finance) beleuchtet. In ihrer lesenswerten Analyse vertreten sie die Aufassung, dass Aufsichtsräte, die mehr als zehn Prozent des Aktienkapitals vertreten, in aller Regel nicht als unabhängig einzustufen sind.

Muss nach zehn Jahren Schluss sein?

Ähnliches gelte für „politische Mandatsträger“ und Kontrolleure, die satzungsgemäß von einer Unternehmensstiftung entsandt wurden (wie etwa im Fall ThyssenKrupp). Auch frühere Vorstände, Wirtschaftsprüfer und Berater seien nicht unabhängig – ebenso wenig wie langjährige Aufsichtsräte: Nach zehn Jahren, so Schmidt und Redenius-Hövermann, sei die „Nähe zum Unternehmen“ zu groß. Wir sehen pauschale Regeln und ausschließlich formale Betrachtungen zwar skeptisch – Unabhängigkeit ist letztlich eine Frage der Haltung (und damit der Personal Governance). Aber die Autoren betonen selbst, dass „eine ausschließlich unabhängige Besetzung […] weder anzustreben noch vollständig zu erreichen“ ist – und dass auch Qualifikation und Erfahrung wichtig sind. Die Analyse ist deshalb nicht nur pointiert, sondern auch ausgewogen – und damit ein konstruktiver Beitrag zu einer Debatte, die wir intensiver führen müssen. Danke dafür!