Unternehmenskultur: Wie Otto-Chef Alexander Birken Talente lockt

Alexander Birken

Da prallten offenbar Welten aufeinander: Alexander Birken (54), der Chef der Otto Group, berichtete letzte Woche in der „ZEIT“ von einem Zusammentreffen mit Andrew McAffee. Der US-Bestseller-Autor sei „fest davon überzeugt“ gewesen, so Birken, dass Unternehmen keine über das Geschäft hinausgehende gesellschaftliche Verantwortung haben“ – ganz in der Tradition Milton Friedmans, dem Urvater des Shareholder-Value-Konzepts („The business of business is business“). Das habe ihn „sehr betroffen gemacht“, sagte der Otto-Chef. Denn er habe „begriffen, dass US-Amerikaner ein anderes Werteverständnis haben“.

Werte als Geheimwaffe im Kampf um die Millennials?

Was uns Sorgen macht: Angelsächsisch geprägte Investoren wie Paul Singer tragen dieses Verständnis mit wachsender Vehemenz in die deutsche Wirtschaft. Sie drängen auf schnelle Kursgewinne und hohe Dividenden, das langfristige Wohl des Unternehmens ist zweitrangig – ganz anders als bei Familienunternehmen wie Otto, deren Kultur offenbar besonders die Millennials lockt. „Wir spüren eine hohe Attraktivität der Otto-Gruppe auf dem umkämpften Arbeitsmarkt“, sagt Birken, der diesen Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen will: Vor zweieinhalb Jahren startete er einen Kulturwandel, der Silodenken beenden, Eigenverantwortung stärken und alle Mitarbeiter bewegen soll, das langfristige Wohl des ganzen Unternehmens im Blick zu haben – inklusive gesellschaftlicher Verantwortung.