Vorstandsvorsitzende: Ein Loblied auf die Langweiler

Christian Sewing

Die „Welt“ hat Anfang Oktober das „Ende der kantigen Typen“ an den Konzernspitzen ausgerufen. Stattdessen übernähmen „unauffällige“ Typen, die „nicht anecken“, Deutschlands CEO-Posten. Als Beispiele nennen die Autoren Ola Källenius (Daimler), Stephan Sturm (Fresenius), Martin Zielke (Commerzbank) und Christian Sewing (Deutsche Bank) – und konstatieren: „Einheitsbrei statt United Artists, angepasst und glatt geschmirgelt“. Wir können gut verstehen, dass sich Journalisten extrovertiertere Typen in den Chefetagen wünschen. Das verspricht schließlich Schlagzeilen.

Professionelle Aufsichtsräte, sozialkompetente CEOs

Der Haken: Extrovertierte, charismatische Chefs entpuppen sich bisweilen als Alleinherrscher oder Sonnenkönige. Und dieser Habitus ist im Zeitalter der digitalen Transformation brandgefährlich, weil es mehr denn je darum geht, starke Teams zu formen und Mitarbeitern Freiräume für eigene – und schnellere! – Entscheidungen zu lassen. Sicher: Ein gewisses Sendungsbewusstsein schadet nicht, aber zugleich ist eben ein hohes Maß an Sozialkompetenz gefragt. Ein „blasser“ Christian Sewing ist uns deshalb lieber als ein gebräunter Josef Ackermann – und Ausdruck der Professionalisierung der Aufsichtsräte, die sich nicht mehr so leicht blenden lassen.