Friedrich Merz: Was die Politik von Aufsichtsräten lernen kann

Friedrich Merz

Donald Trump demonstriert jeden Tag aufs Neue, dass Manager nicht unbedingt die besseren Politiker sind – vor allem, wenn sie eine Basta-Mentalität pflegen und deshalb spalten statt zu vereinen. Aber was ist mit professionellen Aufsichtsräten? Im Gespräch mit der ZEIT sagte Friedrich Merz in der vergangenen Woche, in der Wirtschaft habe er gelernt, „Nachfolger aufzubauen und heranzuführen“. Tatsächlich wird kaum jemand bezweifeln, dass es in der Politik an einer adäquaten Nachfolgeplanung mangelt: Viele Amtsinhaber klammern sich lange an ihre Posten.

Aufsichtsräte können zuhören – und die richtigen Fragen stellen

Und wenn endlich ein Nachfolger kommt, geben oft Verdienste für die Partei oder Flügelproporz den Ausschlag – und nicht Kompetenz und Führungsqualitäten. Das ist in den meisten Unternehmen heute anders, vor allem dank der Professionalisierung der Aufsichtsräte. Eine weitere Fähigkeit guter Kontrolleure, die in der Politik hilfreich wäre: Sie können zuhören und sich schnell in komplexe Themen einzuarbeiten. Es ist deshalb kein Manko, dass Merz nicht „über außergewöhnliche Kenntnisse der Digitalisierung“ verfügen dürfte, wie die WirtschaftsWoche moniert. Denn auch in der Politik gilt: An der Spitze brauchen wir keine Fach-Experten, sondern jene, die gute Leute finden und die richtigen Fragen stellen. Ob Friedrich Merz deshalb CDU-Chef oder gar Kanzler werden sollte, wollen wir nicht beurteilen. Aber seine Erfahrung als Aufsichtsrat spricht eher für als  gegen ihn.