Michael Otto: Vom „Amt für Versandhandel“ zum agilen Konzern

Otto

Die Zeit des Aufsichtsrats als reines Kontrollgremium ist vorbei, sagte Martin Spilker vom Kompetenzzentrum Führung und Unternehmenskultur der Bertelsmann-Stiftung auf dem Deutschen Aufsichtsratstag (DART). Denn Themen wie Ethik und Kultur würden immer stärker in den Vordergrund rücken. Wir stimmen diesem Befund ausdrücklich zu: Aufsichtsräte müssen mehr denn je zu Hütern der Unternehmenswerte und vielerorts zudem zu Treibern eines Kulturwandels werden – zumal reine Kontrollaufgaben ohnehin zu einer Domäne der Künstlichen Intelligenz (KI) werden.

Kulturwandel: Aufsichtsräte in der Pflicht

Für die neue Rolle steht wie kaum ein Zweiter Michael Otto, Aufsichtsratschef der Otto Group: Der 75-Jährige hat dafür gesorgt, dass sich das „Amt für Versandhandel“, wie Branchenkenner lange spotteten, binnen weniger Jahre tiefgreifend verändert hat. Die Initialzündung erfolgte 2015: Nach dem ersten Jahresverlust der Firmengeschichte kündigte Otto mit Sohn Benjamin und dem Vorstand während einer Mitarbeiterversammlung den „Kulturwandel 4.0“ an. Und den Worten folgten Taten – in Form flacherer Hierarchien, mehr Transparenz und einer Kommunikation auf Augenhöhe, die mit einer Duz-Kultur einhergeht. Wir sind überzeugt: Ohne die klare Rückendeckung von Otto wäre es bei ein paar halbherzigen Reformen geblieben. Auch andere Aufsichtsräte sollten sich deshalb intensiver der Unternehmenskultur widmen. Denn das kann keine KI.