Hiltrud Werner (VW): Compliance & Governance per Dekret?

Hiltrud Werner

Um diesen Job ist sie wahrlich nicht zu beneiden: VW-Compliance-Chefin Hiltrud Werner muss einen tiefgreifenden Wandel vorantreiben und hat dem „Spiegel“ jetzt von ihren Bemühungen berichtet. Eine Aussage finden wir besonders bemerkenswert: „Der Muskel ‚Selbstreflexion‘“, so Werner, sei bei VW bislang „nicht ausgeprägt“ gewesen. Dahinter steckt die wichtige Erkenntnis, dass man Regeltreue und Haltung nicht per Dekret verordnen kann – das ist eine Frage der Unternehmenskultur.

Wie Mitarbeiter von Risikofaktoren zu Antreibern werden

Einen Kulturwandel fördern Aufsichtsräte und Vorstände aber gerade nicht durch starre Vorgaben, die viele Mitarbeiter als bürokratisch und bevormundend empfinden. Denn sie ersticken (Selbst-)Reflexionen und Diskussionen im Keim; die Botschaft an die Mitarbeiter lautet: Wir haben Euch das Denken abgenommen – macht einfach, was wir sagen. Für Compliance im Besonderen gilt damit wie für Corporate Governance im Allgemeinen: Ein allzu enges Korsett bringt wenig und ist womöglich sogar kontraproduktiv. Zielführender sind prägnante Leitlinien, die Freiraum lassen für Reflexion und Diskussion. Auf diese Weise nehmen Vorstände ihre Mitarbeiter in die Verantwortung und machen aus Risikofaktoren Treiber des Wandels. Hiltrud Werner scheint dies erkannt zu haben.