Joe Kaeser: Streiter für die europäische Governance-Kultur

Joe Kaeser

Man kann es sich leicht machen und Joe Kaeser als „Gutmenschen“ abstempeln, der viel redet, aber wenig bewirkt – zum Beispiel, wenn der Siemens-CEO den „reinen Shareholder-Value-Ansatz“ kritisiert und einen „inklusiven Kapitalismus“ predigt. Doch das wäre zu kurz gesprungen, denn machen wir uns nichts vor: Wir befinden uns in einem Wettstreit der Systeme; der angelsächsische Finanz- und der chinesische Staatskapitalismus gefährden unsere Governance-Kultur. Das zeigt sich etwa, wenn hochsubventionierte Unternehmen aus China deutsche Firmen kaufen oder aktivistische US-Investoren kurzfristige Renditen erzwingen – und Unternehmen dafür langfristig schwächen (siehe dazu unsere Einschätzung zum Fall ThyssenKrupp).

Warum wir Kaesers Sendungsbewusstsein schätzen

Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft und der europäischen Governance-Kultur sollten Kaesers Sendungsbewusstsein deshalb begrüßen. Denn wir brauchen Manager, die ihre Stakeholder und insbesondere die „normalen“ Aktionäre überzeugen können. Sonst haben Aktivisten umso leichteres Spiel – oft zum langfristigen Schaden der Unternehmen. Und dann wird es deutlich schwieriger, die langfristigen Vorteile des europäischen Modells zu erhalten (allen voran der stärkere gesellschaftliche Zusammenhalt und die höhere Stabilität). Wir sind deshalb überzeugt: Im verschärften Wettbewerb der Systeme brauchen wir mehr Manager wie Joe Kaeser.