Karl-Ludwig Kley & der Kodex: Klare Ansage fürs Reformjahr 2019

Reformjahr

Die Tage vor Weihnachten sind kein optimaler Zeitpunkt für wichtige Botschaften. Denn viele Adressaten stecken im Jahresendstress – sei es aus beruflichen Gründen oder weil sie noch schnell Geschenke besorgen müssen. Einigen von Ihnen ist deshalb womöglich das Interview mit Karl-Ludwig Kley entgangen, das kurz vor Weihnachten im „Handelsblatt“ erschien. Das wäre schade, denn der Aufsichtsratschef von Lufthansa und Eon hatte was zu sagen: Der deutsche Corporate Governance Kodex habe sich „überlebt“, kritisierte Kley – und regte an, „ihn in Gänze abzuschaffen“. Auch die Regierungskommission bekam ihr Fett weg: Die anstehende Reform ähnelt laut Kleys Einschätzung „sehr den Vorgängen in einer Selbsterfahrungsgruppe“.

Haltung und Verantwortungsbewusstsein kann man nicht erzwingen

Wer angesichts dieser Aussagen vermutet, dass der Multi-Aufsichtsratschef einen „Laissez-faire“-Wirtschaftsliberalismus propagiert, sollte den Rest des Interviews lesen: Dort forderte Karl-Ludwig Kley Manager auf, zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung zu beziehen. „Wer das nicht tut, füllt seinen Job nicht vollständig aus.“ Zudem müssten Vorstände und Aufsichtsräte „die Werte unserer Gesellschaft und unseres Unternehmens auch leben“. Wir stimmen zu – und ergänzen: Ein Kodex, der als bürokratisch und bevormundend empfunden wird, ist in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. Denn Haltung und Verantwortungsbewusstsein kann man nicht erzwingen.