HV-Saison: Harte Kritik an Aufsichtsräten – gut so!

Hauptversammlungen

In den ersten Hauptversammlungen des Jahres haben sich erste Trends herauskristallisiert. So steht nach den Aktionärstreffen bei Osram und Infineon in der vergangenen Woche fest: Aktionäre werden auch in dieser HV-Saison die Kompetenz von Aufsichtsräten und insbesondere den Gremienchefs mit wachsender Vehemenz hinterfragen. Ins Visier geriet in der vergangenen Woche zum Beispiel der designierte Infineon-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Eder: Er sei für den Posten „nicht geeignet“, rügte Markus Golinski von Union Investment. Das Unternehmen brauche auf der Position einen Halbleiter-Experten.

Osram: DWS verweigert die Entlastung

Es sei wichtig, „dass der Aufsichtsrat in der Lage ist, Entwicklungen und Markttrends in dieser sehr komplexen Industrie frühzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen“, so Golinski. Auch Osram-Aufsichtsratschef Peter Bauer musste sich Kritik anhören; so verweigerte ihm die Fondsgesellschaft DWS die Entlastung – ebenso wie Vorstandschef Olaf Berlin. Was die Betroffenen ärgerlich und womöglich unfair finden, ist für uns Ausdruck einer positiven Entwicklung. Statt sich beleidigt ins Schneckenhaus zurückzuziehen, sollten Vorstände und Aufsichtsräte die Kritikpunkte analysieren – und mit breitem Kreuz dagegenhalten, wenn sie anderer Ansicht sind. Dann käme auf den Hauptversammlungen auch wieder mehr Leben in die Bude.