Hasso Plattner: Der unfreiwillige Kodex-Rebell

Hasso Plattner

Sollte ein 75-Jähriger, der seit 16 Jahren amtiert, erneut als Aufsichtsratsvorsitzender antreten? Das widerspricht der reinen Governance-Lehre gleich doppelt, weil er die Altersgrenze überschritten hat und allein wegen der langen Amtszeit nicht mehr als „unabhängig“ gilt. Andererseits ist Hasso Plattner ein besonderer Fall: Seine Rolle bei SAP geht weiter über die eines Aufsichtsratsvorsitzenden hinaus. Der Mitgründer sei noch immer Innovationstreiber und stelle „bohrende“ Detail-Fragen, berichten Top-Manager. Wir meinen deshalb: Ja, Hasso Plattner sollte auf der Hauptversammlung im Mai erneut antreten – zumal er angekündigt hat, zeitnah eine Nachfolgelösung zu präsentieren.

„Jedes Unternehmen, jeder Aufsichtsrat ist ein besonderer Fall“

Im Übrigen offenbart die Debatte eindrucksvoll, welche Tücken pauschale Corporate-Governance-Regeln bergen. Denn wer genau hinschaut, wird erkennen: Jedes Unternehmen, jeder Aufsichtsrat ist ein „besonderer Fall“. Verantwortliche brauchen deshalb keine starren „one-size-fits-all“-Vorgaben, sondern Spielraum für individuelle Lösungen. Hasso Plattner ist damit für uns der lebende Beweis, dass die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex auf einem Irrweg ist, wenn sie unverdrossen auf kleinteilige Detail-Empfehlungen setzt.