Bernie Sanders & Elisabeth Warren: Die US-Governance-Rebellen

Aktienrückkäufe

Diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Vier Billionen Dollar haben die 500 größten US-Konzerne zwischen 2008 und 2017 für Aktienrückkäufe ausgegeben – das entspricht mehr als der Hälfte der Gewinne. Damit ist klar, dass in Übersee noch immer einseitiges Shareholder-Value-Denken dominiert – die Devise heißt „Aktionäre pämpern statt in die Zukunft investieren“. In Deutschland ist das Volumen der Aktienrückkäufe unserer Meinung nach zwar ebenfalls zu hoch, aber deutlich geringer. Das liegt auch daran, dass Entscheider dem Wohl des Unternehmens und nicht einzelnen Stakeholdern verpflichtet sind (siehe dazu auch die VARD-Berufsgrundsätze).

Setzt Amerika auf europäische Governance?

Wir haben deshalb interessiert zur Kenntnis genommen, dass in den USA die Gruppe jener wächst, die uns nacheifern und die US-Governance europäischer machen wollen. So haben der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Charles Schumer, und der parteilose Senator Bernie Sanders eine Gesetzesinitiative angekündigt, um Aktienrückkäufe zu begrenzen. Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren hatte bereits 2018 den „Accountable Capitalism Act“ vorgelegt, der vorsieht, das Shareholder-Value-Prinzip abzuschaffen und die Mitbestimmung einzuführen. Sicher: Man muss nicht allen Vorschlägen von Sanders, Warren & Co. zustimmen (gerade in der Steuerpolitik). Aber manches, was in den USA als linke Spinnerei abgetan wird, nennen wir: Soziale Marktwirtschaft.