Mittelstand: Auf den Spuren von Robert Bosch

Robert Bosch

Wir mussten in der vergangenen Woche aus traurigem Anlass erneut darauf hinweisen: Die Krupp-Stiftung leidet an schweren Konstruktionsfehlern – und mit ihr das Unternehmen. Das Gegenbeispiel ist die Robert Bosch GmbH, die dank intelligenter Governance-Strukturen die Vorteile eines Stiftungsunternehmens ausspielen kann und seit Generationen reüssiert. Wir sind überzeugt: Mehr Bosch täte dem Wirtschaftsstandort Deutschland gut, zumal bei der digitalen Transformation langer Atem gefragt ist. Anteilseigner, die ständig auf üppige Renditen drängen, sind in solchen Zeiten besonders kontraproduktiv – egal, ob es sich um aktivistische Aktionäre oder Familienmitglieder mit Nehmer-Mentalität handelt.

„Europäische Governance-Kultur konsequent weitergedacht“

Umso erfreulicher, dass immer mehr Mittelständler auf den Spuren Robert Boschs wandeln: Gründer wie Ernst Schütz (Versandhandel Triaz) oder Christian Kroll (Suchmaschine Ecosia) haben sich selbst enteignet – und mit Hilfe eines speziellen Stiftungsmodells dafür gesorgt, dass die Unternehmen nun dauerhaft sich selbst gehören. Gewinne werden deshalb reinvestiert, und die Stimmrechte liegen jeweils bei jenen, die unternehmerische Verantwortung tragen („Verantwortungseigentümer“). Wir meinen: Wer das als Randerscheinung abtut, springt zu kurz. Die Erfinder des Purpose-Modells haben die europäische Governance-Kultur, bei der das Wohl des Unternehmens im Zentrum steht, konsequent weitergedacht. Und solche Impulse sind in Zeiten des rasanten Wandels wertvoller denn je. Es ist deshalb allemal eine Überlegung wert, Verantwortungseigentum durch eine neue Rechtsform zu erleichtern. Nach der Erfindung der GmbH und der Sozialen Marktwirtschaft könnte Deutschland so erneut zum Pionier werden.