DART I: Ulrich Lehner und der Stakeholder Value

Ulrich Lehner

Ist der Fokus auf sämtliche „Stakeholder“ vom Kunden bis zum Aktionär ein neuer Trend? Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hat dazu letzte Woche auf dem 15. Deutschen Aufsichtsratstag (#DART15) im Düsseldorfer Industrie-Club angemerkt: Für ihn sei Rendite immer das gewesen, was übrig bleibt, wenn alle anderen Gruppen bedient wurden. Das klingt selbstverständlich, ist aber in Wahrheit Ausdruck einer Corporate-Governance-Philosophie, die unter Druck geraten ist. Die Aussage lässt sich deshalb als Seitenhieb auf aggressive Investoren verstehen, die mit Nachdruck auf Renditen pochen. Wir meinen: Die Debatte über Motivation und Einfluss sogenannter aktivistischer Aktionäre muss weitergeführt werden.

Treiben „Aktivisten“ unausweichliche Veränderungen voran?

Denn einerseits legen sie häufig berechtigterweise den Finger in die Wunde und fordern Entscheider heraus. So lobte Ulrich Lehner, dass Finanzinvestoren die Professionalisierung der Aufsichtsräte und die Fokussierung auf die Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben. Andererseits gilt es, ihr Narrativ zu hinterfragen: Dass sie im Interesse aller Stakeholder agieren, weil sie unausweichliche Veränderungen vorantreiben, ist keineswegs ausgemacht. Schließlich besteht ein Anreiz, Strategien zu propagieren, die der Kapitalmarkt besonders goutiert (in Form kurzfristiger Kurssteigerungen). Das ist gerade im Zeitalter der digitalen Transformation womöglich zu kurz gesprungen, weil vielfach langer Atem gefragt ist – und weil es in der Regel eben nicht die EINE, vermeintlich unausweichliche Lösung gibt. Und wenn doch, kann sie auf Märkten, die sich rasant verändern, schnell wieder obsolet sein.