Franz M. Haniel: Wie viele Neue verträgt ein Aufsichtsrat?

Haniel

Regelmäßige Leser der GermanBoardNews kennen unsere Vorliebe für Fußball-Analogien. Hier kommt die nächste: Wenn ein Club in der Sommerpause zahlreiche neue Spieler verpflichtet hat, verläuft der Saisonstart oft holprig – es dauert eben, bis sich ein Team eingespielt hat. Ähnliches gilt für Gremien wie den Aufsichtsrat: Auch hier dauert es häufig Monate, Neuzugänge zu integrieren. Verfechter der reinen Corporate-Governance-Lehre warnen deshalb davor, zu viele Mitglieder gleichzeitig auszutauschen. Uns dünkt jedoch: Bisweilen dient das Argument als willkommene Rechtfertigung für halbherzige Veränderungen.

Frischer Wind & Onboarding & Teambuilding

Dabei brauchen zahlreiche Aufsichtsräte dringend frischen Wind, vor allem in Sachen Diversity und Digitalexpertise. Deshalb kann ein umfangreicher Austausch unseres Erachtens sehr wohl richtig sein. Beim Familienunternehmen Haniel etwa hören demnächst Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel und sein Vize Georg Baur gleichzeitig auf. „Wir sind nach Abwägung zu der Überzeugung gekommen, dass es richtig ist, jetzt entschieden voranzugehen“, begründete Haniel den Schritt im Interview mit dem Manager Magazin. Besonders wichtig sind in solchen Fällen natürlich Onboarding und Teambuilding. Um wieder mit einer Fußball-Analogie zu argumentieren: Mit einer intensiven Saisonvorbereitung können Trainer das Einspielen beschleunigen – und dafür sorgen, dass das Team gestärkt aus der Schwächephase hervorgeht.

Im Übrigen ist Haniels Entscheidung ein weiteres starkes Signal für die Unabhängigkeit von Aufsichtsräten. Bereits bei seinem Rücktritt als Metro-Aufsichtsratschef hatte er für „unabhängige, externe Chefaufseher“ plädiert. Wir stimmen zu und erinnern daran: Laut VARD-Berufsgrundsätzen sollten Aufsichtsräte ihr Mandat „frei von Einflüssen“ Dritter ausüben. Und das ist als Mitglied einer Familie, deren Angehörige zum Teil auf Dividenden angewiesen sind, gar nicht so einfach.