Appell an Weimer & Jetter: Macht die Börse zu einem besseren Ort

Börse

Ulrich Seibert vom Bundesjustizministerium hat auf dem Deutschen Aufsichtsratstag (DART) im November auf den Delisting-Trend hingewiesen: Immer mehr Unternehmen verabschieden sich von der Börse. Und das liegt nicht nur daran, dass Private-Equity-Investoren in Geld schwimmen und Firmen aufkaufen. Eine weitere wesentliche Ursache ist der Druck ungeduldiger Investoren, der aus unserer Sicht brandgefährlich ist: Immer wieder müssen börsennotierte Unternehmen Zukunftsinvestitionen zugunsten von Ausschüttungen oder Aktienrückkäufen zurückstellen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie lässt sich der Druck von Investoren reduzieren, ohne Aktionärs- und Eigentümerrechte mit Füßen zu treten?

Unabhängige Aufsichtsräte als Bollwerk gegen Aktivisten

Das ist kein Thema für Governance-Feinschmecker: Es geht um nicht weniger, als die Börse von einer Spielwiese für Spekulanten zum Markplatz der Miteigentümer zu machen. Einem Ort also, an dem Unternehmer Kapital erhalten, ohne sich Finanzkapitalisten auszuliefern. Wir plädieren deshalb für einen Paradigmenwechsel, den die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) bereits 2017 für das Börsen-Segment Scale gefordert hat: Die Deutsche Börse sollte Governance-Standards – insbesondere unabhängige Aufsichtsräte – zur Listing-Bedingung machen. Dann würde es für aggressive Investoren schwieriger, Vasallen in die Kontrollgremien zu schicken und hohe Dividenden oder Sonderausschüttungen durchzusetzen. In Verbindung mit einer Aufwertung des Berufs und mehr „Personal Governance“ wäre das ein großer Schritt Richtung #FutureGoodGovernance. Wir appellieren deshalb an den künftigen Aufsichtsratschef Martin Jetter und CEO Theodor Weimer, eine Corporate-Governance-Initiative zu starten – und stehen für einen Dialog gerne zur Verfügung.