VW-Chef Herbert Diess: Kulturwandel durch neue Boni?

Herbert Diess

Das Problem bei vielen Vergütungssystemen ist, dass Manager zwar große Chancen auf üppige Boni haben, aber kaum Risiken tragen. Unternehmerisches Denken wird auf diese Weise nicht gefördert – im Gegenteil: Die Systematik schafft Anreize, Umsätze und/oder Gewinne kurzfristig in die Höhe zu treiben, was häufig zulasten langfristiger Entwicklungschancen geht (Stichwort Reputation). Deshalb ist es aus unserer Sicht eine folgerichtige Reaktion auf den Diesel-Skandal, dass der VW-Vorstand um Herbert Diess (der gerade in einer „Brandrede“ mehr Mut gefordert hat, das Vergütungssystem reformiert: Berichten zufolge sind neuerdings auch „Mali“ und „Clawbacks“ möglich, womit Führungskräfte endlich unternehmerische Risiken tragen.

Egoismus statt Teamgeist – das wahre Boni-Problem

Noch wichtiger ist aus unserer Sicht, dass sich die VW-Boni stärker an der Entwicklung des Unternehmens und nicht an individuellen Zielen orientieren. Denn das fördert Teamgeist statt Egoismus. Herbert Diess und Co. sollten allerdings ernsthaft darüber nachdenken, einen Schritt weiter zu gehen und den Anteil der Boni am Gesamtsalär entschlossener zu reduzieren. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass extrinsische Anreize die intrinsische Motivation verdrängen. Im Klartext: Wer üppige Boni offeriert, lockt und züchtet Egoisten, wie die WirtschaftsWoche jüngst herausgearbeitet hat. Das gilt natürlich nicht nur für Saläre untergeordneter Führungskräfte, auf die die aktuelle Reform zielt. Wir sind deshalb gespannt, ob eine Reform der Vorstandsvergütung folgt.