Börse & Quartalsberichte: Oliver Bäte auf Wiedekings Spuren

Quartalsberichte

Wir könnten viel Kritisches über Wendelin Wiedeking schreiben, aber in einer Sache lag er goldrichtig: Der langjährige Porsche-Chef hat sich beharrlich dagegen gewehrt, dass Unternehmen an der Börse Quartalsberichte veröffentlichen müssen. „In die kurzatmige Betrachtung, die sich an Quartalszielen orientiert, wollen wir erst gar nicht hineinkommen“, sagte Wiedeking einst dem Spiegel. Fast 20 Jahre später wandelt Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte auf Wiedekings Spuren, wenn auch konzilianter in Duktus und Auftreten: Wir sprechen mit der Deutschen Börse „über einen Verzicht auf die in der Börsenordnung für alle Dax-Unternehmen vorgeschriebenen Quartalsberichte oder -mitteilungen“, teilte der Versicherungskonzern in der vergangenen Woche mit.

Von kurzsichtigen Investoren treiben lassen?

Die Formulierungen legen zwar nahe, dass es Bäte und Co. vor allem um weniger Bürokratie und nicht um die Förderung langfristigen Denkens geht. Aber sei’s drum: Ein Erfolg der Initiative brächte dies automatisch mit sich, sozusagen als „windfall profit“. Wir begrüßen den Vorstoß der Allianz deshalb ausdrücklich und freuen uns, dass die Börse laut Medienberichten gesprächsbereit ist: Sie wolle nun „die Stimmungslage unter anderen Dax-Unternehmen ausloten“, heißt es. Wir sind gespannt und hoffen, dass der Verzicht auf Quartalsberichte zum Auftakt einer umfassenden Corporate-Governance-Initiative wird: Die Börse muss zu einem besseren Ort werden – und klar machen, dass sich  Unternehmen nicht länger von kurzfristig orientierten Investoren treiben lassen müssen.