Jürgen Steinemann: Klares Signal gegen Kollektivierungsphantasien

Jürgen Steinemann

„Was war in Jürgen Steinemann gefahren? Was hat er davon?“, fragte die Süddeutsche Zeitung provokativ – und kritisierte den Metro-Aufsichtsratschef harsch: Sein Verhalten widerspreche „dem Geist der Mitbestimmung“. Das Doppelstimmrecht zu nutzen, um den Verkauf der Warenhauskette Real gegen den Willen der Arbeitnehmer durchzusetzen, werfe grundlegende Corporate-Governance-Fragen auf. Mit Verlaub: Jürgen Steinemann hat von einer Option Gebrauch gemacht, die der Gesetzgeber den Gremienvorsitzenden aus guten Gründen einräumt. Denn Blockaden im Aufsichtsrat führen zu Stillstand – und wären deshalb garantiert nicht im Interesse eines Unternehmens, seiner Stakeholder und des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Gerade in Zeiten der digitalen Transformation.

Wie passen Mitbestimmung & Stakeholder Value zusammen?

Mitbestimmung darf nicht in die Kollektivierung führen, von der Juso-Chef Kevin Kühnert jüngst geträumt hat: Wer unternehmerische Verantwortung trägt, muss im Zweifel das letzte Wort haben – sonst reduzieren wir Anreize für unternehmerisches Engagement und berauben die Marktwirtschaft ihrer Stärken. Und machen wir uns nichts vor: Arbeitnehmervertreter verfolgen häufig genauso eigene Interessen wie Investoren; das Wohl des Unternehmens rückt auch bei ihnen bisweilen in den Hintergrund. Wir brauchen deshalb nicht mehr Mitbestimmung, sondern mehr Miteigentum – und sollten zudem hinterfragen, ob die Mitbestimmung in ihrer jetzigen Form ins Stakeholder-Value-Zeitalter passt. Denn während Anteilseigner Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft nominieren, bleibt der Arbeitnehmer-Block meist homogen. Entsteht dadurch ein Übergewicht zulasten anderer Stakeholder? Und wie können wir das verhindern, ohne die unbestreitbaren Vorzüge der Mitbestimmung zu opfern? Wir plädieren dafür, über diese Fragen zu diskutieren – engagiert, aber ohne Beißreflexe.