Top vs. Flop: Günther Fielmann und Kasper Rorsted

Für Kasper Rorsted geht eine weitere schwierige Woche zu Ende. Der Adidas-Chef musste vor wenigen Tagen schlechte Zahlen fürs erste Quartal verkünden – und die Aktionäre auf ein noch schlechteres Ergebnis im laufenden Quartal einstimmen.

Keine Frage: Kaum ein anderer Manager ist in der Corona-Krise derart ins Visier der Öffentlichkeit geraten. Nachdem Adidas trotz prall gefüllter Kassen angekündigt hatte, Mietzahlungen auszusetzen, brach sogar ein wahrer Shitstorm über den Dänen herein – eine neue Erfahrung für den erfolgsverwöhnten 58-Jährigen. Denn spätestens seit seiner Ägide bei Henkel gilt Kasper Rorsted als versierter Manager, der zuverlässig für Margen und Renditen sorgt. Man darf ihn getrost als Liebling der Aktionäre bezeichnen.

Applaus vom Kapitalmarkt, Kritik von der Gesellschaft – damit verkörpert der Däne einen Managertypus, der sich in der Corona-Krise besonders schwer tut. Denn es reicht längst nicht mehr, Investoren zufriedenzustellen, was Rorsted vorbildlich hinbekommen hat. So hat Adidas seit 2018 für fast zwei Milliarden Euro Aktien zurückgekauft; auch die Dividenden stiegen deutlich. In diesem Jahr sollte es genauso so weitergehen, erst mitten in der Krise rückte Rorsted von den Plänen ab.

Kapitalismus in der Corona-Zeiten: „Shareholder first“?

Mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern ging das Unternehmen weniger zimperlich um: Adidas setzte früh auf ein Mietmoratorium und Kurzarbeit und zapfte auch den Stakeholder Staat an – in Form eines Notkredits. Sicher: Sämtliche Maßnahmen sind nachvollziehbar und womöglich überlebenswichtig.

Aber das Krisenmanagement in Herzogenaurach hinterlässt mehr als einen faden Beigeschmack, weil die Aktionäre so lange gepämpert wurden. In der Corona-Krise zeigt sich: „Shareholder-first“-Strategien bergen gesellschaftlichen Sprengstoff – und sind ein betriebswirtschaftliches Vabanquespiel. Stellen Sie sich vor, Adidas hätte eine größere Reserve für schlechte Zeiten aufgebaut, statt Aktien zurückzukaufen (oder das Geld in den Online-Handel investiert).

Wir meinen: Der Fall Rorsted zeigt einmal mehr, dass Aktienrückkäufe meist ein unternehmerischer Offenbarungseid sind. Und er wirft ein Schlaglicht auf ein grundlegendes Problem börsennotierter Unternehmen: Manager neigen dazu, zu niedrige Reserven aufzubauen. Auch weil sie wissen, dass Cash Begehrlichkeiten weckt – bei Firmenjägern, aber auch bei aggressiven Aktionären.

Warum Aufsichtsräte jetzt besonders gefragt sind  

Die Corona-Krise zeigt deshalb, wie wichtig Aufsichtsräte sind, die solche Reflexe hinterfragen. Und die, noch besser, Vorstände engagieren, die die Prinzipien des Stakeholder-Value-Zeitalters verstanden haben.

Orientierung bieten Familienunternehmer, bei denen diese Prinzipien in der DNA stecken. Günter Fielmann zum Beispiel hat seinen Mitarbeitern in der Corona-Krise zugesichert, das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent aufzustocken. Dank einer hohen Eigenkapitalquote könne das Unternehmen dennoch „mehrere Monate“ durchstehen.

Wir sind überzeugt: Die Mitarbeiter werden es im danken – und nach der Krise Vollgas geben. Unternehmen wie Fielmann haben deshalb beste Chancen, gestärkt aus diesen schweren Zeiten hervorzugehen. Adidas und Co. könnten dagegen Jahre brauchen, um den Vertrauensverlust wieder wettzumachen.

 

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