Top vs. Flop: Ertharin Cousin & Sigmar Gabriel

Diversity

Die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) hat vor einiger Zeit ein eigenes Diversity-Ranking der Dax-Aufsichtsräte vorgestellt. Dahinter stand die Idee, dass Vielfalt weitaus mehr ist als die Frauenquote: Es geht um unterschiedliche Denkmuster, Perspektiven und Netzwerke.

Deshalb gehörte zu den Kriterien des Rankings die Vielfalt der nachweisbaren Beziehungen: In welchen Gremien dominieren Aufsichtsräte, die nur in klassischen Machtzirkeln vernetzt sind und im eigenen Saft schmoren? Und wo sitzen Experten, die (auch) Kontakte jenseits ihrer Branche pflegen – zum Beispiel zur Wissenschaft oder zu NGOs?

Wir sind überzeugt, dass dieser Ansatz in der Corona-Krise aktueller denn je ist. Denn die Pandemie zeigt: In einer eng verflochtenen Welt können plötzlich ganz andere Perspektiven und Informationsquellen gefragt sein. Aufsichtsräte, die Netzwerke außerhalb der Wirtschaft anzapfen können, sind deshalb wertvoller denn je.

Lobbyisten im Aufsichtsrat?

Insofern hat der ausgeschiedene Bayer-Chefkontrolleur Werner Wenning alles richtig gemacht, als er im Oktober Ertharin Cousin in den Aufsichtsrat berief: Die langjährige Chefin des UNO-Welternährungsprogramms bringt nicht nur wichtige Kompetenzen fürs Crop-Science-Geschäft mit: Sie dürfte zudem den Horizont des Gremiums erweitern.

Auch wenn in Sachen Corporate Governance noch Einiges zu tun bleibt, hat Bayer damit einen Schritt nach vorne gemacht – zumal die Personalie ein Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung ist: Ertharin Cousin hat ihr Leben dem Kampf gegen den Hunger gewidmet.

Vor dem Hintergrund des Stakeholder-Value-Prinzips und einer stabileren gesellschaftlichen Verankerung ist auch der Einzug von Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank nachvollziehbar. Schließlich ist langjährige SPD-Chef und Außenminister weit über die Wirtschaft hinaus bestens vernetzt.

Allerdings hinterlässt die Berufung ehemaliger hochrangiger Politiker stets einen faden Beigeschmack. Denn es steht schnell der Verdacht im Raum, dass es vor allem um ihr politisches Netzwerk geht – also um Lobbyismus auf höchster Ebene. Werner Wenning hat somit eine elegantere Lösung gefunden als Paul Achleitner.

 

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