Top vs. Flop: Hasso Plattner & Jennifer Morgan

Hasso Plattner
Was ist wichtiger – schnelles Wachstum oder die Kundenzufriedenheit? Der SAP-Aufsichtsratschef hat im Walldorfer „Clash of Cultures“ eine überzeugende Antwort gegeben.

Was einige als „Abrechnung“ mit dem ehemaligen Vorstandschef Bill McDermott abtaten, war sehr viel mehr: In einem Handelsblatt-Interview hat SAP-Gründer Hasso Plattner letzte Woche tiefe Einblicke in die Unternehmenskultur gewährt – und zugleich den wahren Grund für den Abgang von Jennifer Morgan verraten.

Selten zuvor hat ein Aufsichtsratschef derart offen über interne Konflikte geredet: Bei SAP seien unterschiedliche Governance-Kulturen aufeinandergeprallt, berichtete Plattner. Auf der einen Seite standen demnach angelsächsisch geprägte Manager wie McDermott und die kurzzeitige Co-Chefin Jennifer Morgan.

Sie setzten auf ambitionierte Wachstumsziele für Tochterfirmen, ließen ihnen aber sonst große Freiheiten. Laut Plattner lautete das Credo: „So viel Kontrolle wie nötig, so viel Eigenverantwortung wie möglich.“ Auf diese Weise hätten McDermott & Co. „eine gewisse Wachstumsdynamik“ provoziert – aber zu einem hohen Preis. Denn die Erfolge kaschierten „Grundsatzprobleme“.

„Wir haben den Kunden nicht zugehört“

Vor allem blieb die technologische Integration auf der Strecke. „Das hat uns eineinhalb bis zwei Jahre gekostet, mental aber noch viel mehr“, sagte Plattner. So würden nicht alle SAP-Komponenten die gleichen Cybersicherheits-Standards erfüllen, was unter Kunden für gehörigen Unmut sorgt. „Wir haben einfach unseren Kunden nicht zugehört“, konstatierte Plattner.

Letztlich ging es bei dem Konflikt also um die Frage, was wichtiger ist: schnelles Wachstum oder die Kundenzufriedenheit? Damit steht der Walldorfer „Clash of Cultures“ geradezu symbolhaft für den Unterschied zwischen dem Shareholder-Value- und dem Stakeholder-Value-Prinzip – und für den Systemwettbewerb zwischen sozialer Marktwirtschaft und Wall-Street-Kapitalismus.

„Für Bill McDermott stand der Wettbewerb ganz oben, für mich immer der Kunde“, brachte es Hasso Plattner im Handelsblatt-Interview auf den Punkt. Auf die Dominanz der Shareholder-Value-Maximierer hat der Aufsichtsratschef nun spät, aber dafür umso entschlossener reagiert.

Allerdings sollte er es dabei nicht bewenden lassen und zum Beispiel die üppigen Managergehälter bei SAP ins Visier nehmen. So drängt sich jetzt die Frage auf, ob die Boni-Systeme kundenorientiertes Denken honorieren – oder vor allem schnelles Wachstum.