Top vs. Flop: Heinz-Hermann Thiele – Querdenker oder Quertreiber?

Thiele

Der Schlagabtausch zwischen Lufthansa-Großaktionär Thiele, Management und Bundesregierung zeigt: Wir brauchen mehr Unternehmergeist in den Konzernen.


 

Heinz-Hermann Thiele ist ein Wandler zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite ist der Eigentümer von KnorrBremse ein waschechter mittelständischer Unternehmer mit Patriarchen-Habitus. Auf der anderen Seite bewegt sich der 79-Jährige mit Geschick im Habitat der Top-Manager, Investmentbanker und M&A-Anwälte, wie er zuletzt mit der Austockung seines Lufthansa-Anteils bewies.

(Familien-)Unternehmergeist vs. Konzern-Kultur: Da sind Konflikte programmiert. In den letzten Tagen hat der Thiele das staatliche Rettungspaket für die Lufthansa scharf kritisiert. Das Management um Vorstandschef Carsten Spohr hätte „intensiver verhandeln“ müssen, lautete seine Botschaft. Der Staat, so Thiele, sei kein guter Unternehmer.

Das sehen wir genauso, fügen aber hinzu: Der Staat kann ein guter Eigentümer sein, wenn er professionelle Aufsichtsräte in die Kontrollgremien schickt. Das die Bundesregierung dies im Fall der Lufthansa angekündigt hat, ist lobenswert.

Echte Unternehmer an der Börse?

Die Frage bleibt: Ist der streitbare Thiele, der dem Staatseinstieg schließlich doch zustimmte, Querdenker oder Quertreiber? Oder verfolgt er lediglich knallhart eigene Interessen?

Thiele wolle vor allem zeigen, „wie wichtig echtes Unternehmertum“ ist, zitiert das Handelsblatt einen Wegbegleiter. Damit würde der Patriarch in der Tat den Finger in die Wunde legen. Denn das Problem börsennotierter Konzerne ist, dass niemand wie ein echter Unternehmer denkt:

  • die angestellten Vorstände nicht, weil sie auch von ihren Fixgehältern ein sorgenfreies bis luxuriöses Leben führen können;
  • die Investoren nicht, weil sie jeweils überschaubare Anteile halten und im Zweifel schnell wieder weg sind;
  • die Aufsichtsräte oft leider auch nicht, weil sie Juristen oder Wirtschaftsprüfer, aber keine Unternehmer sind.

Wir sind überzeugt: Hier müssen wir ansetzen. In jeden Aufsichtsrat gehören echte Unternehmer – erfolgreiche Gründer etwa oder erfahrene Mittelständler. Das ist der beste Weg zu mehr Unternehmergeist an der Börse. In der Debatte über Corporate-Governance-Reformen, die nach dem Wirecard-Skandal beginnt, gilt es deshalb zu überlegen: Wie können wir das fordern & fördern?

Klar ist: Der Bund könnte ein Signal setzen und zwei Unternehmer in den Lufthansa-Aufsichtsrat schicken. Womöglich ließe sich auf diese Weise auch Heinz-Hermann Thiele besänftigen.