Krick, Lehner, Hinrichs: Von alten Hasen & jungen Wilden

jung & alt

Der Amtsantritt von Joe Biden ist ein guter Anlass, um über starre Altersgrenzen nachzudenken. Warum Unternehmen die Alten nicht vom Hof jagen, sondern besser machen sollten.    

Ist es nicht paradox? In den USA hat gerade ein 78-Jähriger einen der stressigsten Jobs der Welt angetreten – und hierzulande müssen deutlich jüngere Aufsichtsräte reihenweise ihren Hut nehmen. Der Start von Joe Biden als US-Präsident ist damit ein guter Grund, über Altersgrenzen zu diskutieren. Und das haben wir getan.

Das Ergebnis: Wir sind überzeugt, dass starre Grenzen von 70 oder 72 Jahren ein Irrweg sind. Denn mit dem medizinischen Fortschritt steigt die Zahl topfitter 80-Jähriger. Zudem sind formal Gealterte im Kopf bisweilen deutlich jünger als Vertreter der nächsten Generation – oder können „Geschwindigkeitsdefizite durch höhere Sorgfalt, Erfahrung oder eine bessere Risikoabschätzung ausgleichen“.

Das entscheidende Kriterium für das Ausscheiden sollte deshalb nicht das Alter, sondern die Gremienzugehörigkeit sein: Nach zehn bis zwölf Jahren sind Aufsichtsräte in aller Regel Teil des Systems, das sie überwachen sollen – und damit fehl am Platz.

Die jungen Wilden in Deutschlands Aufsichtsräten

Um es an einem Beispiel festzumachen: Fresenius-Aufsichtsratschef Gerd Krick (82) hätte aus Corporate-Governance-Sicht mit Mitte 70 aufhören sollen – aber nicht wegen seines Alters. Das Problem ist vielmehr, dass Krick bereits 2003 aus der Chefetage in den Aufsichtsrat wechselte. Die anstehende Staffelübergabe an Ex-DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch kommt damit zu spät.

Zudem hat es Gerd Krick versäumt, junge Aufsichtsräte in sein Gremium zu holen und die geballte Erfahrung gezielt zu ergänzen – zum Beispiel um Digital-Expertise. Der frühere Siemens-Vorstand Michael Sen, der im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden soll, wird mit zarten 51 Jahren der Jungspund im Gremium sein.

Andere Granden ihrer Zunft haben das besser gemacht. So hatte Ulrich Lehner bereits 2013 den damals 37-jährigen XING-Gründer Lars Hinrichs in den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom geholt (wo er für kräftigen frischen Wind sorgte). Auch bei Kion und Indus zogen U-40er in die Kontrollgremien ein. Wir sind überzeugt: Dadurch werden auch die Alten besser!

Leider neigen viele Investoren und Aktionärsberater dazu, solche Effekte nicht zu goutieren. Das ist durchaus nachvollziehbar: Starre Altersgrenzen und andere pauschalen Kriterien, die sie einfach abhaken können, machen ihnen das Leben leichter. Aber Unternehmen leider nicht besser.