Brudermüller, Busch, Ploss – Wer kann ohne China überleben?

Die schnelle Erholung in Fernost hat vielen Konzernchefs das Ergebnis gerettet. Doch die wachsende Abhängigkeit birgt erhebliche Risiken. Woran das liegt – und was Aufsichtsräte jetzt veranlassen müssen. 

BASF habe 2020 einen „starken Schlussspurt“ hingelegt, jubelte Vorstandschef Martin Brudermüller Anfang März. Das liege insbesondere am China-Geschäft, wo der Konzern im vierten Quartal ein „zweistelliges Mengenwachstum“ verzeichnete.

Brudermüller dürfte sich damit bestätigt sehen. Denn auf der letzten Hauptversammlung hatte er skeptischen Aktionären entgegnet: Wir sind davon überzeugt, dass es richtig und wichtig ist, unseren Fußabdruck in China zu verstärken.“

Mit dieser Haltung steht der CEO keineswegs alleine: Deutschlands Manager haben auf breiter Front Wachstumschancen in Fernost gesucht und genutzt. Viele Unternehmen hängen dadurch inzwischen jedoch am China-Tropf – allen voran Infineon mit CEO Reinhard Ploss: Der Halbleiterhersteller macht dort laut Handelsblatt 39 Prozent seines Umsatzes. Ähnlich wichtig ist der Markt für VW, BMW und Daimler.

 „China First!“ statt „Wandel durch Handel“

Doch die Autokraten in Fernost treten seit einiger Zeit immer aggressiver auf – sei es gegenüber der uigurischen Minderheit, in Hongkong oder bei der geostrategischen Expansion. Das Konzept „Wandel durch Handel“ ist damit offenkundig gescheitert, und bald könnten auch europäische Konzerne ins Visier der Big-Data-Diktatur geraten.

Denn Präsident Xi Jinping hat das Ziel ausgerufen, die heimischen Unternehmen zu stärken – und mit dem neuen Scoring-System das perfekte Instrument für gezielte Repressalien geschaffen. Strategie deutscher Unternehmen müsse wegen der wachsenden Risiken sein, „auch ohne China nicht zusammenzubrechen“, warnt IW-Ökonom Jürgen Matthes.

Das diese Botschaft in den Vorstandsetagen noch nicht angekommen ist, sind jetzt die Aufsichtsräte gefordert: Sie müssen klar machen, dass eine Expansion in China nicht nur ethische Fragen aufwirft, sondern auch betriebswirtschaftliche und strategische Risiken birgt. Und sie müssen darauf drängen, Alternativen zu prüfen – allen voran Investitionen in aufstrebenden Wachstumsmärkten, etwa in Afrika.

Besonders wichtig ist das bei den genannten Unternehmen mit hoher China-Abhängigkeit. Etwas mehr Gelassenheit darf sich der Siemens-Aufsichtsrat gönnen – der Konzern macht 14 Prozent seines Umsatzes in China. Das ist vergleichsweise wenig, aber viel zu viel, um das Problem auf die lange Bank zu schieben. Auch hier ist der neue Vorstandschef Roland Busch also gefordert.