David Schwimmer vs. Theodor Weimer: Wer lockt Gründer an die Börse?

Großbritannien macht die Börse attraktiver für Unternehmer. Warum Deutschland mitziehen sollte – und welche Rolle Aufsichtsräte dabei spielen.

Nach dem Brexit bahnt sich im Vereinigten Königreich eine Börsenreform an: Eine Experten-Kommission hat der Regierung kürzlich empfohlen, Gründern und Mittelständlern den Weg an den Kapitalmarkt zu ebnen. So sollen sie künftig nur noch 15 Prozent der Anteile auf den Markt bringen müssen – und nicht mehr 25 Prozent wie bisher.

Dank dieser und weiterer Erleichterungen könnte David Schwimmer, CEO der London Stock Exchange, künftig mehr Unternehmer an der Börse begrüßen. Denn für sie ist es erfahrungsgemäß wichtig, die Kontrolle zu behalten.

Auch wir sind überzeugt, dass wir dringend mehr Unternehmergeist an den Aktienmärkten brauchen. Denn das Problem vieler börsennotierter Konzerne ist, dass niemand unternehmerisch denkt: Vorstände können allein von ihren Fixgehältern ein sorgenfreies Leben führen. Investoren halten jeweils nur überschaubare Anteile. Und in vielen Aufsichtsräten fehlen Unternehmer.

Unternehmerisch denken – und nicht ans schnelle Geld

Das birgt die große Gefahr, dass Aktiengesellschaften auf breiter Front kurzsichtige Strategien verfolgen – mit erheblichen Nachteilen für den Wirtschaftsstandort. Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer wäre aber auch aus eigenen betriebswirtschaftlichen Erwägungen gut beraten, unternehmerfreundliche Reformen prüfen.

Denn wir sind überzeugt: Hauptgrund für den Delisting-Trend der letzten Jahre ist nicht die ärgerliche Börsenbürokratie, sondern der Druck kurzfristig denkender und aktivistischer Aktionäre. Denn er macht es schwieriger, langfristige Strategien umzusetzen, die angesichts der digitalen Transformation wichtiger sind denn je.

Auch die Deutsche Börse muss deshalb ein besserer Ort für Gründer und Unternehmer werden. Ein Ort also, an dem sie Kapital erhalten, ohne sich Finanzkapitalisten auszuliefern. Der Schlüssel dazu sind unabhängige Aufsichtsräte (wie sie zum Bollwerk gegen Aktivisten und zum Hort unternehmerischen Denkens werden können, steht in unserer #FutureGoodGovernance-Agenda).

Mit der britischen Initiative gewinnt dieses Ziel nicht nur für Theodor Weimer, sondern auch für den Wirtschaftsstandort an Bedeutung. Denn niemand kann wollen, dass es Gründer und Mittelständler in Scharen über den Ärmelkanal zieht.