Matthias Hünlein vs. Hasso Plattner: CEOs pämpern, Teamgeist schwächen?

Vertragsabschluss

Die neuen Gehaltsdeckel für Vorstandschefs lassen Spielraum für Exzesse. Welche Aufsichtsräte Maß halten, warum Mega-Saläre ein hohes betriebswirtschaftliches Risiko sind.

Aufsichtsräte müssen künftig Obergrenzen für die Gehälter ihrer Vorstände definieren. Einige haben das bereits gemacht, andere begnügten sich vorerst damit, im Geschäftsbericht die im besten Fall erreichbare Summe zu nennen. Klar ist aber schon jetzt: Die Bandbreite bei den Dax-Konzernen wird groß sein.

Am unteren Ende der Skala rangiert laut einer Handelsblatt-Analyse der Deutsche-Wohnen-Aufsichtsrat um Matthias Hünlein, der dem Vorstandschef (derzeit: Michael Zahn) maximal 3,8 Millionen Euro zahlen will. SAP-Chef Christian Klein darf dagegen auf bis zu 34,5 Mio. Euro hoffen. Weiteren neun Konzernbossen winken der Analyse zufolge ebenfalls zweistellige Saläre.

Damit bleibt auch in Zukunft vielerorts Spielraum für Gehaltsexzesse, die das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft schwächen. Zudem gibt es handfeste betriebswirtschaftliche Gründe, die gegen üppige Gesamtvergütungen sprechen:

Geschwächter Teamgeist. Flache Hierarchien, vielfältige Teams und Eigeninitiative sollen Unternehmen schneller und innovativer machen. Wenn Aufsichtsräte dennoch bezahlen, als hinge alles vom Chef ab, konterkarieren sie den vermeintlichen Paradigmenwechsel – und fördern Egoismus statt Teamgeist. Wir sind überzeugt: Hohe Gehaltsabstände in Gremien, Teams und Unternehmen sind anachronistisch und gefährden die digitale Transformation.

Kurzfristiges Denken. Die Corona-Krise hat erneut gezeigt, dass Vorstände kaum unternehmerischen Risiken tragen: Einige Aufsichtsräte haben drohende Gehaltseinbußen durch Sondervergütungen ausgeglichen. Und für spätere rechtliche Ansprüche kommt meist die D&O-Versicherung auf (wie es sich bei Ex-VW-Chef Winterkorn andeutet). Das Problem: Wer darauf bauen kann, nach wenigen Jahren ausgesorgt zu haben, denkt kurzfristig – nicht unternehmerisch.

Extrinsische Motivation. Ein typisches Argument von Aufsichtsräten lautet: Wer die Besten haben will, muss Top-Saläre bieten. Das ist uns, mit Verlaub, zu einfach. Denn wer am meisten zahlt, lockt nicht automatisch die Besten, sondern womöglich genau die Falschen – diejenigen nämlich, die vom Geld getrieben und nicht intrinsisch motiviert sind. Sie hecheln dann der Karotte „Bonus“ hinterher, statt das große Ganze im Auge zu behalten.