Engine vs. ExxonMobile: Profit-Aktivisten mit grünem Mäntelchen

ExxonMobile

Der Erfolg eines Hedgefonds gegen ExxonMobile ist ein Meilenstein für den Klimaschutz. Zugleich wirft der Fall aber eine wichtige Frage auf: Wie nachhaltig danken aktivistische Investoren wirklich? 

Chris James und Charles Penner haben am Mittwoch Corporate-Governance-Geschichte geschrieben: Auf einer dramatischen Hauptversammlung setzten sie sich gegen das ExxonMobile-Management durch. Die Aktionäre wählten zwei Kandidaten, die ihr Fonds Engine No. 1 nominiert hatte, ins zwölfköpfige Board des Öl-Konzerns.

Wir haben das mit gemischten Gefühlen beobachtet. Denn auf der einen Seite ist die Watsche für ExxonMobile-Chef Darren Woods angesichts der zögerlichen Klimastrategie mehr als berechtigt. Zudem sind die Neuzugänge Gregory Goff und Kaisa Hietala hochqualifiziert: Beide verfügen über langjährige Erfahrung in der Öl-Industrie, Hietala ist zudem ausgewiesene Nachhaltigkeitsexpertin.

Auf der anderen Seite gibt es uns zu denken, dass ein erst vor wenigen Monaten gegründeter Fonds mit einem Anteil von 0,02 Prozent die Schaltzentrale eines Milliardenkonzerns durcheinanderwirbeln kann. Denn vieles spricht dafür, dass das in Zukunft häufiger geschieht – auch in weniger eindeutigen Fällen.

Gretchenfrage: Green-Tech-Investitionen oder Dividenden?  

Wir haben bereits vor der HV-Saison gewarnt, dass sich vermehrt „unheilige Allianzen“ von aktivistischen und klassischen Investoren bilden. Und zuletzt war auch hierzulande zu beobachten, dass Aktivisten verstärkt auf Nachhaltigkeit drängen. So forderte Cevian-Chef Lars Förberg, Boni an Nachhaltigkeitsziele zu koppeln. Und Petrus Advisers organisierte gar eine Mehrheit gegen die üppigen Managergehälter bei der Aareal Bank.

Aber wie nachhaltig denken aktivistische Investoren wirklich? Wir fürchten: Das grüne Mäntelchen soll bisweilen nur elfen, Bündnisse mit ESG-getriebenen Institutionellen zu schmieden. Und danach fliegt es schnell wieder in die Ecke – etwa wenn es um die Gretchenfrage geht: Sollen Unternehmen in klimafreundliche Technologien investieren oder doch lieber hohe Dividenden ausschütten?

Klassische Investoren sind deshalb gut beraten, genau hinzuschauen, mit wem sie sich einlassen – und wie eng sie kooperieren. Das funktioniert bisher immerhin ganz gut: Die Deka etwa schlug sich bei den Aareal-Boni auf die Seite von Petrus, nicht aber bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats. Und wichtige US-Fonds votierten auf der Exxon-Hauptversammlung nur für zwei Engine-Kandidaten. Die anderen beiden erhielten deutlich weniger Stimmen (das Ergebnis war deshalb so knapp, dass derzeit neu ausgezählt wird).

Etliche Investoren hatten offenbar Bauschmerzen, dem jungen Hedgefonds zu viel Macht zu geben. Das mögen einige als halbherzig brandmarken – war aber womöglich eine wichtige Vorsichtsmaßnahme.