Fresenius vs. Siemens: Aktionäre pämpern oder Mitarbeiter qualifizieren?

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In der Corona-Krise Rekorddividenden auszuschütten, ist bestenfalls instinktlos – und schlimmstenfalls Ausdruck einer gefährlichen Unternehmenskultur.  

Den Fresenius-Aktionären steht ein Geldsegen bevor: Nach der Hauptversammlung am 21. Mai will das Unternehmen eine Rekorddividende ausschütten. Zugleich hat Vorstandschef Stephan Sturm laut einem Bericht der ZEIT jedoch jüngst einen Personalabbau bei der Kliniktochter Helios angekündigt, „um die Profitabilität zu sichern“.

Darüber hinaus hat der Gesundheitskonzern erheblich von staatlicher Unterstützung in der Corona-Pandemie profitiert: Helios habe üppige „Freihaltepauschalen“ eingestrichen, die die Bundesregierung verabschiedet hatte, damit Kliniken Intensivbetten bereitstellen. Insgesamt summierten sich Hilfen laut ZEIT auf „etwa 740 Millionen Euro“. Das sei mehr als bei jedem anderen Wettbewerber.

In dieser Situation die Aktionäre mit einer Rekorddividende zu pämpern, ist bestenfalls instinktlos – und schlimmstenfalls Ausdruck einer Unternehmenskultur, die Aktionärsinteressen übergewichtet.

Sichert Staatsgeld Hedgefonds-Renditen?

Dabei ist Fresenius ein krasser, aber kein Einzelfall: Etliche Konzerne schütten in diesem Jahr üppige Dividenden aus, obwohl sie ihre Gewinne in erster Linie massiver Rückendeckung des Stakeholders „Staat“ verdanken (man denke etwa ans Kurzarbeitergeld). Allein die 30 Dax-Konzerne beglücken Investoren mit mehr als 34 Milliarden Euro. Das sind nur elf Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Einer Handelsblatt-Berechnung entspricht das ungefähr 85 Prozent des gesamten Nettogewinns. Da muss sich niemand über den Vorwurf wundern, dass Geld aus Steuer- und Sozialkassen letztlich vor allem Hedgefonds und Profi-Investoren zugutekommt.

Sympathischer ist da das Modell Siemens: Die Münchner haben die Dividende gesenkt (erst zum dritten Mal in der Nachkriegszeit). Zugleich geben sie mehr denn je für Weiterbildungen aus, um Mitarbeiter fit zu machen fürs digitale Zeitalter. Das ist gut fürs Unternehmen, aber auch gut für die Gesellschaft – und damit ein Paradebeispiel für „Stakeholder Value“, der nach Staatshilfe erst recht im Zentrum unternehmerischer Strategien stehen sollte.