Junker, Pöllath, Reitzle: Warum die Zeit reif ist  

Zu alt? Nein, aber zu lang am Ruder. Welche Aufsichtsratschefs loslassen sollten.

Manchmal haben unterschiedliche Meldungen mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Zum Beispiel der Abgang von Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker und der hohe Verlust des Autozulieferers Mahle, beide in dieser Woche verkündet. Denn wer nach der jeweiligen Kern-Information weiterlas, stieß auf eine erstaunliche Parallele: die Rolle mächtiger Aufsichtsratschefs.

Mahle-Chefkontrolleur Heinz Junker (71) sei in seiner Zeit als CEO „nicht als großer Förderer der Elektroantriebe“ aufgefallen, schrieb das Handelsblatt. Und bei Beiersdorf sei hinter vorgehaltener Hand von „erheblichen Diskrepanzen“ zwischen dem scheidenden Vorstandschef De Loecker und dem Aufsichtsrat um Reinhard Pöllath (73) die Rede.

Schauen wir noch genauer hin: Reinhard Pöllath sitzt seit 2002 im Aufsichtsrat und wurde sechs Jahre später Vorsitzender. Junker bestimmt die Geschicke von Mahle sogar bereits seit 1996 – erst als CEO, später als Chefkontrolleur. Bei beiden spricht deshalb viel dafür, dass sie nach langen Amtszeiten längst Teil des Systems sind, das sie unabhängig überwachen sollen. Das erhöht das Risiko schwerwiegender Fehlentscheidungen.

Wenn das Cooling-Off kaum ins Gewicht fällt

Leider sind Amtszeiten, die sogar Bundeskanzlerin Merkel in den Schatten stellen, in Deutschlands erster Börsenliga keineswegs verpönt. Wolfgang Reitzle (72) etwa übernahm 2002 den CEO-Posten bei Linde und fungiert heute als „Chairman“. Die zwei Jahre Cooling-Off fallen da kaum ins Gewicht, ähnlich wie bei Allianz-Aufsichtsratschef Michael Diekmann (66), der 2003 als Vorstandschef startete.

Den Vogel ab schießt Fresenius-Aufsichtsratschef Gerd Krick (82), der 1992 zum Vorstandsvorsitzenden avancierte und elf Jahre später ins Kontrollgremium wechselte. Auf der Hauptversammlung am 21. Mai übergibt er jedoch an den ehemaligen DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch.  

Und mit Hasso Plattner (SAP-Vorstandssprecher ab 1997, Aufsichtsratschef ab 2003) hat ein weiteres Urgestein seinen Ausstieg zumindest eingeleitet: Mit Rouven Westphal zieht in Kürze ein enger Vertrauter in den SAP-Aufsichtsrat ein. Allerdings bleibt Plattner bis auf Weiteres an Bord. Jetzt komme es „auf ein paar Jährchen mehr“ auch nicht mehr an, sagte er vor einem Jahr.

Wir drücken die Daumen, das er damit nicht falsch liegt.