Christine Lagarde vs. Christian Sewing: Frauen in die Banken-Chefetagen!

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Die EZB drängt Banken zu mehr Diversity in Vorständen und Aufsichtsräten. Ist das Ausdruck eines übersteigerten Macht- und Gestaltungswillens der Bankenaufseher?

Liebe Verschwörungsmystiker und Untergangspropheten, Sie können gleich wieder aussteigen. Hier gibt’s kein pauschales EZB-Bashing. Kein Wehklagen, dass Präsidentin Christine Lagarde Sparer gezielt enteignet. Und schon gar kein Geraune, wonach Notenbanken Werkzeuge von „Eliten“ mit geheimer Agenda seien.

Stattdessen wollen wir sachlich beleuchten, wie weit eine Behörde gehen sollte, die aus guten Gründen unabhängig und direkter parlamentarische Kontrolle entzogen ist. Und da stellen sich derzeit zwei Fragen: Muss sich die EZB-Bankenaufsicht in die Nachfolgeplanung bei der Deutschen Bank einmischen? Und muss sie die Diversity eines Gremiums prüfen, wie es der Entwurf für den neuen Leitfaden zur Eignungsprüfung von Bank-Vorständen und Aufsichtsräten vorsieht?

Unser Eindruck ist: Die EZB schwingt sich mit wachsender Vehemenz zu einer Instanz auf, die definiert, was gute Unternehmensführung ausmacht. Ein starkes Stück?

Vielfalt ist weit mehr als die Frauenquote

Zunächst wollen wir den EZB-Bankenaufsehern um den Italiener Andrea Enria und den Bundesbanker Joachim Würmeling zugutehalten: In der Sache liegen sie richtig. Obwohl Studien belegen, dass Vielfalt Führungsgremien besser macht, sind Banken-Vorstände oft noch nicht divers genug.

Das ist nicht zuletzt ein Problem fürs Risikomanagement. Denn die ausgereiftesten Strukturen helfen wenig, wenn sich an der Firmenspitze übermäßig optimistische Charaktere gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der EZB-Versuch, Diversity als Hebel zur Stabilisierung des Finanzsystems einzusetzen, ist deshalb nachvollziehbar.

Die große Gefahr ist jedoch, dass das zu starren und formalen Vorgaben führt, die unternehmerische Handlungsspielräume beschränken. Deshalb zur Erinnerung: Vielfalt ist weit mehr als die Frauenquote – es geht um unterschiedliche Perspektiven, Mentalitäten und Netzwerke. Und diese Kriterien lassen sich nicht in klassische Prüfungsschemata zahlenorientierter Bankaufseher pressen.

Wir hoffen deshalb, dass die EZB lediglich Prinzipien formuliert und der Versuchung widersteht, kleinteilige Kriterien zu definieren (und dann checklistenartig zu prüfen). Denn wenn Bankenaufseher die Deutungshoheit über Good Governance übernehmen, ist das eine schlechte Nachricht für Unternehmer – und Wasser auf die Mühlen von Verschwörungsmystikern.