Baerbock, Röttgen, Merz – Jamaika-Gefahr für Ihr China-Geschäft

Union und Grüne drängen einhellig auf einen härteren Kurs gegen Peking. Das birgt hohe Risiken für Unternehmen, doch viele Manager unterschätzen die Gefahr – ein Fall für die Aufsichtsräte.

Zwischen Annalena Baerbock und Friedrich Merz liegen Welten, aber in einem Punkt sind sich beide einig: Deutschland muss nach der Ära Merkel auf einen anderen Kurs in der China-Politik einschwenken. Baerbock spricht von mehr „Härte“, Merz von entschlossenerem Auftreten. Ins selbe Horn bläst Parteifreund Norbert Röttgen, der „robuste Antworten“ auf Chinas Expansion fordert.

Damit ist klar: Wenn das Trio mehr Macht bekommt, ist Schluss mit Appellen und dem Traum vom „Wandel durch Handel“ (zumal auch die FDP das anti-liberale Regime in Peking skeptisch beobachtet). So dürfte sich eine Jamaika-Koalition schnell auf strengere Regeln gegen chinesische Firmen einigen, sei es bei Übernahmen oder Staatsaufträgen.

Fernost-Kenner ahnen: Eine Antwort der selbstbewusst-aggressiv auftretenden Machthaber würde nicht lange auf sich warten machen. Friedrich Merz hat die Wirtschaft deshalb bereits ausdrücklich gewarnt, „sich nicht zu abhängig von China zu machen“.

Merz: „Kurzfristig auf Geschäft verzichten“

Notfalls, mahnt Merz, „müssen wir auch einmal kurzfristig auf ein Geschäft verzichten, um langfristig unsere Position zu behaupten“. Selbst ein ausgewiesener Wirtschaftsfreund ist also nicht bereit, im geopolitischen Systemwettbewerb übermäßige Rücksichten auf die Interessen deutscher Konzerne und Mittelständler zu nehmen.

Wohlgemerkt: Wir halten das angesichts des zunehmend aggressiven Auftretens Chinas für richtig. Denn jedem sollte klar sein: Das Jinping-Regime arbeitet entschlossen daran, seine Machtsphäre auszuweiten, um die globalen Standards für Handel und Digitalisierung zu prägen (im Sinne autoritärer Werte). Gerade für die exportorientierte deutsche Wirtschaft wäre das eine Katastrophe.

Doch leider unterschätzen viele Vorstände die wachsenden geopolitischen Risiken und setzen in China unverdrossen auf Expansion. Derlei Optimismus sollte neben Risiko- und Compliance-Managern auch Aufsichtsräte auf den Plan rufen – selbst, wenn es nicht zu Jamaika kommt. Denn einer der drei genannten wird in der nächsten Regierung mit Sicherheit eine zentrale Rolle spielen. Und spätestens seit der Merz-Mahnung kann sich niemand mehr darauf berufen, nichts geahnt zu haben.