Adler Group: Wie vertrauenswürdig ist der Verwaltungsrat?

Nach Wirecard und Grenke nimmt Shortseller Fraser Perring den Immobilienkonzern Adler Group ins Visier. Wir haben uns deshalb die Kontrolleure des S-Dax-Unternehmens angeschaut.

Beginnen wir mit Selbstkritik: Wir haben früh die gravierenden Schwächen des Wirecard-Aufsichtsrats thematisiert, uns nach einigen Neuberufungen aber zu schnell zufriedengegeben. Der spätere Skandal hat uns deshalb vor Augen geführt, dass gute Aufsichtsräte nicht automatisch Vertrauen rechtfertigen (vor allem, wenn sie noch in der Onboarding-Phase stecken).

Damit wären wir bei der Adler Group: Der Immobilienkonzern sieht sich derzeit – wie einst Wirecard – mit einer Attacke von Fraser Perring konfrontiert. Im Kern wirft der Leerverkäufer dem Wohnungsunternehmen dreiste Manipulationen bei der Immobilienbewertung vor.

Das Management hat die Vorwürfe scharf zurückgewiesen, aber natürlich werden Erinnerungen an Wirecard wach. Wir haben uns deshalb gefragt: Ist der Aufsichtsrat in diesem Fall gut genug aufgestellt, um etwaigen Ungereimtheiten auf die Spur zu kommen? Wie ist es um die Unabhängigkeit und die Expertise der Kontrolleure bestellt?

Compliance- und Governance-Profis im Verwaltungsrat

Zunächst: Die Adler Group hat keinen klassischen Aufsichtsrat, sondern einen achtköpfigen Verwaltungsrat mit sechs „unabhängigen Direktoren“. Darunter sind, man kann es nicht anders sagen, Hochkaräter. Zu ihnen zählt Michael Bütter, CEO der Union Investment Real Estate GmbH und früherer Chief Compliance Officer der Deutsche Annington (heute: Vonovia). Auch Ex-Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker, langjähriger Vorsitzender des Instituts für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft, bringt Erfahrung und Kompetenz mit.

Also Entwarnung? Zu den Schwächen des Gremiums gehört die überschaubare Vielfalt; so ist mit Asset Managerin Arzu Akkemik nur eine Frau vertreten. Zudem geizt Adler auf der Webseite mit Angaben zu potenziellen Interessenkonflikten. Die sind angesichts der Verankerung der meisten Verwaltungsräte in der Immobilien- oder Finanzbranche aber keineswegs auszuschließen.

Hinzu kommt, dass die meisten „unabhängigen“ Gremienmitglieder weniger als zwei Jahre an Bord sind. Thomas Zinnöcker etwa wurde erst vor gut einem Jahr berufen. Damit hatten sie womöglich noch nicht genug Zeit, die komplexen Strukturen zu durchdringen.

Für Entwarnung ist es damit zu früh – zumal sich von außen ohnehin nicht beurteilen lässt, wie ernst Kontrolleure ihre Aufgabe nehmen (weshalb wir an dieser Stelle erneut für einen Personal-Governance-Kodex und einen „hippokratischen Eid“ plädieren!). Klar ist aber zumindest, dass einige unabhängige Verwaltungsräte einen Ruf zu verlieren haben.

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