HelloFresh & Zalando – wer hat den besseren Aufsichtsrat?

Hohe Frauenquoten, erfolgreiche Digital-Unternehmer, wenige Interessenkonflikte: Die jungen Dax-Newcomer unterscheiden sich auch auf Aufsichtsratsebene von den Platzhirschen. Nacheifern ist erwünscht.  

Auch wer einen interessanten Aufsichtsrat sucht, wird bei Zalando fündig: Chefkontrolleurin Cristina Stenbeck hat nicht nur vier weitere Frauen um sich versammelt, was einer Frauenquote von 55 Prozent entspricht. Zudem sind mit Niklas Östberg (Delivery Hero) und Jennifer Hyman (Rent the runway) zwei junge, erfolgreiche Digitalunternehmer vertreten.

Was wir ebenfalls als Pluspunkt werten: Bis auf Anders Holch Povlsen vom Großaktionär Bestseller A/S, einem dänischen Modekonzern, sind sämtliche Aufsichtsräte „unabhängig“. Das ist bei Wachstumsunternehmen nicht selbstverständlich, da vielfach Vertreter von Venture-Capital- oder Private-Equity-Investoren dominieren. Das haben wir vor rund vier Jahren bei HelloFresh kritisiert (siehe auch: „Oliver Samwer – starker Gründer, schwache Governance“).

Doch der Kochboxen-Versender hat seither Fortschritte gemacht. Zum Investoren-Lager zählt lediglich Aufsichtsratschef John Rittenhouse (65), Ex-Walmart-Manager und Gründer von Cavallino Capital. Laut Unternehmen hat er aber „keine maßgebenden persönlichen oder geschäftlichen Beziehungen“ zu Aktionären, die mehr als zehn Prozent halten.

Welche Aufsichtsräte alt aussehen

Mit Westwing-Gründer Stefan Smalla (44) sitzt zudem ein erfolgreicher Digitalunternehmer in dem fünfköpfigen Gremium. Er ist dort allerdings der Jungspund: Mit einer Spanne von 44 bis 77 Jahren ist der Hello-Fresh-Aufsichtsrat deutlich älter als das Zalando-Pendant (35 bis 54 Jahre).

Dennoch heben sich beide Aufsichtsräte deutlich ab von den Alt-Herren-Riegen einiger Dax-Konzerne. So dominieren im Daimler-Aufsichtsrat trotz eingeleiteter Verjüngung weiter verdiente Manager. Zu ihnen gehören Bernd Pischetsrieder, Clemens Börsig, Martin Brudermüller, Tim Höttges und neuerdings Olaf Koch. Diversity sieht anders aus. Ähnlich ist es bei der Allianz, wo Ex-CEO Michael Diekmann unter anderem Jim Hagemann Snabe, Herbert Hainer und Friedrich Eichiner an seine Seite geholt hat.

Wir fragen uns: Wie sollen Gremien bei Zukunftsthemen auf Augenhöhe mitreden und Impulse geben, wenn der Schwerpunkt so klar auf Verdiensten in der Vergangenheit liegt? Die Aufsichtsräte etablierter Unternehmen brauchen dringend mehr Zukunftskompetenzen – von der Blockchain bis zur Künstlichen Intelligenz. Und da können sie von den Newcomern – insbesondere Zalando – lernen.

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