Warum die Rüstungsbranche neue Aufsichtsräte braucht

Nirgendwo wirft die Künstliche Intelligenz drängendere ethische Fragen auf als bei Waffen. Sind die Aufsichtsräte führender Hersteller und Systemlieferanten fürs Zeitalter der Killerroboter gewappnet?

Autonome Waffensysteme entscheiden dank Künstlicher Intelligenz (KI) allein, ob und wen sie attackieren: Das ist eine echte Horrorvorstellung. Doch sie wird mit jedem Tag realistischer. Denn die internationale Ächtung von „Killerrobotern“ ist im Dezember vorerst gescheitert.

Die Rüstungsbranche ist damit in besonderem Maße in der Pflicht. Verantwortliche für die Entwicklung von Waffensystemen müssen genau überlegen, wie weit sie beim Einsatz von KI gehen wollen. Und sie müssen sicherstellen, dass die Entscheidungshoheit über Leben und Tod letzten Endes immer bei Menschen liegt.

Dafür ist ein fundiertes Verständnis von Künstlicher Intelligenz notwendig. Das gilt nicht nur für Entwickler und Manager, sondern auch für die Aufsichtsräte: Als Hüter von Unternehmenskultur und -ethik müssen Kontrolleure Leitplanken definieren und die richtigen Fragen stellen. Ohne KI-Expertise ist das illusorisch, was einige Rüstungsunternehmen offenbar bereits erkannt haben.

Ulrich Grillo holt KI-Professor zu Rheinmetall

Beispiel Rheinmetall: Dort hat der Familienunternehmer und Aufsichtsratschef Ulrich Grillo 2021 Sahin Albayrak in sein Gremium geholt. Der Informatik-Professor leitet an der TU-Berlin den Lehrstuhl für „Agententechnologien“ und beschäftigt sich dort keineswegs mit Gadgets für moderne James Bonds: Software-Agenten sind Computerprogramme, die zu eigenständigem Verhalten in der Lage sind.

Bei Airbus kann Chefkontrolleur René Obermann immerhin auf Claudia Nemat bauen: Die Physikerin und Tech-Vorständin der Deutschen Telekom beschäftigt sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz. So hat die Telekom als eines der ersten Unternehmen einen Ethik-Kodex für den Umgang mit KI entwickelt.

Mauer sieht es anderswo aus. So konnten wir unter den Board-Mitgliedern der Rüstungsholding KNDS, zu der die deutsche Panzerhersteller Kraus-Maffei Wegmann gehört, keinen ausgewiesenen KI-Experten entdecken. Aus Deutschland gehören dem Gremium unter anderem Ex-Linde-Chef Wolfgang Büchele, der Bahntechnik-Manager Jürgen Cammann und die Präsidentin der Bundeswehr-Universität, Merith Niehuss, an (eine Soziologin und Historikerin).

Ob das als Bollwerk gegen Killerroboter reicht?

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